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Kinder sind keine Ressource: Geburtenpolitik für das Rentensystem ist Missbrauch

vor 10 Minuten
10 Min. Lesezeit

Kinder sollen geboren werden, weil sie gewollt sind. Als Menschen. Als Wunder der Natur. Nicht als zukünftige Arbeitskräfte, Steuerzahler oder Beitragszahler für ein Rentensystem.

Wenn Politik Menschen dazu drängt, Kinder zu bekommen, damit bestehende Wirtschafts-, Pflege- und Rentensysteme weiterlaufen können, werden Menschen für die Bedürfnisse eines Systems instrumentalisiert. Ich verwende dafür bewusst ein starkes Wort: Das ist Missbrauch.

In 30 Sekunden zusammengefasst

Die deutsche Bevölkerung wird älter. Immer mehr Menschen erreichen das Rentenalter, während die Zahl der Menschen im Erwerbsalter sinkt.

Die Antwort darf nicht darin bestehen, Kinder als wirtschaftlichen Nachschub zu fordern. Menschen sind keine Ressourcen, mit denen ein schlecht angepasstes System versorgt werden kann.

Wir müssen unsere Systeme an die demografische Realität anpassen und neu darüber nachdenken, wie Technologie, Produktivität und der von Maschinen erzeugte Wert der gesamten Gesellschaft dienen können.


Die Systeme müssen den Menschen dienen

Die Systeme haben und müssen den Menschen dienen. Menschen sind keine Werkzeuge für diese Systeme.

Dieser Satz ist für mich der Ausgangspunkt der gesamten Diskussion. Trotzdem wird in der Debatte über sinkende Geburtenzahlen häufig genau umgekehrt gedacht.

Es heißt: Es werden zu wenige Kinder geboren. Wer soll später arbeiten? Wer zahlt in die Rentenkassen ein? Wer pflegt die ältere Generation? Wer finanziert den Sozialstaat?

Die demografische Veränderung ist real. Doch schon die Art, in der diese Fragen gestellt werden, verrät einen Denkfehler.

Wir sprechen nicht zuerst über Kinder als Menschen. Wir sprechen über ihre zukünftige wirtschaftliche Funktion.

Das Kind erscheint als noch nicht ausgebildeter Arbeitnehmer. Als künftiger Steuerzahler. Als Beitragszahler, der das bestehende System in zwanzig oder dreißig Jahren stabilisieren soll.

Ein Kind ist aber kein Sanierungsplan für ein Rentensystem.

Warum ich hier von Missbrauch spreche

Missbrauch beginnt für mich nicht erst dort, wo offene Gewalt ausgeübt wird. Er beginnt dort, wo ein Mensch zum Mittel für einen fremden Zweck gemacht wird und seine eigene Würde hinter seiner Nützlichkeit verschwindet.

Wenn eine Gesellschaft Frauen moralisch unter Druck setzt, Kinder zu bekommen, damit ausreichend Arbeitskräfte und Beitragszahler vorhanden sind, instrumentalisiert sie ihre Körper und ihre Lebensentscheidungen.

Wenn ein Kind vor allem als zukünftiger Träger wirtschaftlicher Leistung betrachtet wird, wird auch dieses Kind instrumentalisiert.

Das bedeutet nicht, dass Eltern ihre Kinder missbrauchen, wenn sie sich eine Familie wünschen. Es bedeutet auch nicht, dass jede familienpolitische Unterstützung falsch ist.

Im Gegenteil: Wer Kinder haben möchte, sollte gute Bedingungen vorfinden – bezahlbaren Wohnraum, verlässliche Betreuung, wirtschaftliche Sicherheit und eine faire Verteilung der Verantwortung.

Die Grenze wird dort überschritten, wo Unterstützung zu Erwartung wird und aus einer freien Lebensentscheidung eine gesellschaftliche Pflicht entsteht.

Dann lautet die unausgesprochene Botschaft an Frauen:

Du sollst ein Kind bekommen, weil das System es braucht.

Und an das Kind:

Du wirst gebraucht, damit du später arbeitest und einzahlst.

Das ist keine Wertschätzung menschlichen Lebens. Es ist seine wirtschaftliche Verwertung.

Auch in Deutschland bekommt Kinderlosigkeit einen Preis

In Deutschland gibt es keinen Geburtenzwang. Niemand wird gesetzlich dazu verpflichtet, Kinder zu bekommen.

Trotzdem ist die Vorstellung, dass Eltern einen besonderen Beitrag zur Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme leisten, längst in unseren Finanzierungsmodellen angekommen.

Ein konkretes Beispiel ist die soziale Pflegeversicherung. Seit Januar 2025 liegt der allgemeine Beitragssatz bei 3,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen. Kinderlose Versicherte zahlen einschließlich des Kinderlosenzuschlags 4,2 Prozent. Den Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten tragen Arbeitnehmer allein. Eltern mit mehreren Kindern können während bestimmter Lebensphasen Abschläge erhalten. Die aktuellen Beitragssätze erläutert das Bundesgesundheitsministerium.

Dafür gibt es eine sozialpolitische und verfassungsrechtliche Begründung: Eltern erziehen die nächste Generation, die später auch zur Finanzierung umlagefinanzierter Systeme beiträgt.

Man kann diese Begründung juristisch nachvollziehen und trotzdem fragen, welches Menschenbild darin sichtbar wird.

Denn auch hier wird ein Kind nicht nur als Mensch betrachtet. Es bekommt zugleich einen finanziellen Systemwert.

Eltern produzieren gewissermaßen einen zukünftigen Beitrag zum Fortbestand der Sozialversicherung. Kinderlose leisten diesen Beitrag nicht und sollen deshalb an anderer Stelle mehr bezahlen.

Nicht jede finanzielle Differenzierung ist automatisch eine Aufforderung zum Kinderkriegen. Dennoch zeigt sie, wie tief die wirtschaftliche Bewertung von Elternschaft und Kinderlosigkeit in unseren Systemen verankert ist.

Genau dieses Denken müssen wir sichtbar machen, bevor aus einem finanziellen Ausgleich eine moralische Schuldzuweisung wird.

Früher für das Feld, heute für die Rentenkasse

In früheren Gesellschaften hatten Kinder eine unmittelbare wirtschaftliche Funktion. Mehr Hände bedeuteten mehr geleistete Arbeit auf dem Feld, im Handwerksbetrieb oder später in der Fabrik.

Kinder halfen bei der Versorgung der Familie und wurden zur Absicherung der Eltern im Alter.

Natürlich wurden sie auch geliebt. Doch ihre wirtschaftliche Funktion war ein selbstverständlicher Teil des Familienmodells.

Heute schicken wir Kinder nicht mehr auf das Feld. Sie sollen lernen, sich entwickeln und ihren eigenen Weg finden. Ihre Lebensbedingungen und ihre Rechte haben sich deutlich verbessert.

Gleichzeitig erwarten unsere Systeme weiterhin, dass aus ihnen später Arbeitskräfte, Steuerzahler und Beitragszahler werden.

Die Form und die Bedingungen haben sich verändert und verbessert. Doch die grundlegende Frage bleibt:

Sind wir als Menschen fähig, unsere eigenen Grenzen zu überwinden und im anderen Menschen wirklich einen Menschen zu sehen – und nicht eine „Human Resource“, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen soll?

Das ist keine rein wirtschaftliche Frage. Es ist eine Frage unserer Bewusstseinsentwicklung.

Können wir den Wert eines Menschen endlich von seiner Verwertbarkeit trennen?

Die demografische Veränderung in Deutschland ist real

Ich möchte die Lage nicht beschönigen.

Ende 2024 lebten knapp 83,6 Millionen Menschen in Deutschland. Die Bevölkerung wuchs gegenüber dem Vorjahr zwar geringfügig. Dieses Wachstum entstand jedoch ausschließlich durch Zuwanderung. Gleichzeitig starben erneut deutlich mehr Menschen, als Kinder geboren wurden. Das Geburtendefizit lag im dritten Jahr hintereinander bei mehr als 300.000 Menschen. Das zeigen die Bevölkerungsdaten des Statistischen Bundesamtes.

Die Geburtenziffer sank 2024 auf 1,35 Kinder je Frau. Rund 677.000 Kinder wurden geboren – etwa 16.000 weniger als 2023. Auch diese Zahlen veröffentlicht das Statistische Bundesamt.

Besonders deutlich wird die bevorstehende Belastung beim Blick auf die Altersstruktur.

Nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung könnte die Zahl der Menschen ab 67 Jahren bis Mitte der 2030er-Jahre von 16,7 Millionen auf mindestens 20,1 Millionen steigen. Gleichzeitig wird die Bevölkerung im Erwerbsalter zurückgehen.

Das ist keine ferne Entwicklung. Die geburtenstarken Jahrgänge gehen jetzt und in den kommenden Jahren in Rente. Ihre Zahl steht bereits fest. Selbst ein plötzlicher Anstieg der Geburten könnte an dieser Übergangsphase nichts ändern.

Bei einer moderaten Entwicklung von Geburtenrate, Lebenserwartung und Zuwanderung könnte Deutschland im Jahr 2070 noch etwa 74,7 Millionen Einwohner haben. Je nach Annahmen reicht die Spannbreite der amtlichen Vorausberechnung allerdings von 63,9 bis 86,5 Millionen Menschen. Es handelt sich daher nicht um eine sichere Vorhersage, sondern um verschiedene Wenn-dann-Szenarien. Die Zusammenhänge erklärt das Statistische Bundesamt zur künftigen Bevölkerungsentwicklung.

Die Ausgangslage ist also ernst. Renten, Pflege, Gesundheitsversorgung und Arbeitsmarkt müssen neu organisiert werden.

Doch aus einer korrekten Problembeschreibung folgt noch lange keine moralisch zulässige Lösung.

Mehr Kinder lösen die kommende Übergangsphase nicht

Ein heute geborenes Kind beginnt nicht morgen zu arbeiten und Beiträge zu zahlen.

Zunächst benötigt es selbst viele Jahre lang Fürsorge, Bildung, medizinische Versorgung und Wohnraum. Die Generation der heutigen Kinder wird erst auf den Arbeitsmarkt kommen, wenn ein großer Teil der demografisch schwierigsten Übergangsphase bereits begonnen hat.

Die Forderung nach mehr Geburten löst deshalb nicht einmal den unmittelbaren Engpass. Sie verschiebt die Hoffnung auf eine neue Generation und legt dieser Generation bereits vor ihrer Geburt eine Aufgabe auf.

Vor allem aber bleibt die ethische Grenze bestehen:

Selbst wenn mehr Kinder ein System rechnerisch stabilisieren könnten, dürften sie nicht zu diesem Zweck geboren werden.

Das Problem ist nicht erst dann gelöst, wenn wir eine technische Alternative gefunden haben. Der Missbrauch bleibt ein Missbrauch, auch wenn uns noch keine bequeme Ersatzlösung eingefallen ist.

Die Würde eines Menschen hängt nicht davon ab, ob wir bereits wissen, wie wir ohne seine wirtschaftliche Verwertung auskommen.

Wir denken noch immer wie vor der ersten industriellen Revolution

Hinter der Forderung nach immer neuen Beitragszahlern steht ein sehr altes wirtschaftliches Gleichnis:

Weniger Erwerbstätige bedeuten weniger Leistung. Deshalb brauchen wir mehr Kinder.

Das ist Denken aus einer Zeit vor der ersten industriellen Revolution.

Damals war menschliche Arbeitskraft der entscheidende Produktionsfaktor. Mehr Hände konnten mehr Getreide ernten, mehr Waren herstellen und größere wirtschaftliche Ergebnisse erzielen.

Heute entsteht Leistung anders.

Wissen, Maschinen, Energie, Organisation, Software, Automatisierung, Robotik und künstliche Intelligenz verändern, wie viel Wert in einer Arbeitsstunde geschaffen werden kann.

Weniger menschliche Arbeitsstunden müssen deshalb nicht automatisch weniger Nahrung, weniger Versorgung oder weniger gesellschaftlichen Wohlstand bedeuten.

Warum beantworten wir ein Problem des 21. Jahrhunderts mit einer Logik aus der Zeit vor der ersten industriellen Revolution?

Warum versuchen wir, mehr Menschen für das System hervorzubringen, anstatt das System an die Menschen anzupassen?

Technologie kann die Übergangsphase tragen

Ich habe keinen fertigen politischen Masterplan. Ich weiß nicht im Detail, wie Renten, Steuern, Pflege und Versorgung in den kommenden Jahrzehnten neu organisiert werden müssen.

Aber wir müssen unbedingt jetzt und so schnell wie möglich anfangen, anders zu denken.

Wenn Arbeitskräfte für bestimmte Tätigkeiten fehlen, können Maschinen, Roboter und künstliche Intelligenz einen Teil dieser Arbeit übernehmen. Das gilt etwa für Produktion, Logistik, Verwaltung und viele wiederkehrende Aufgaben.

Technologie sollte dabei nicht nur dazu dienen, den nächsten internationalen Produktionswettbewerb zu gewinnen. Sie kann zu einer Brücke durch die demografische Übergangsphase werden.

Sie kann notwendige Leistungen sichern und menschliche Arbeitskraft dort freihalten, wo wirklich ein Mensch gebraucht wird: in Beziehungen, in der Pflege, in der Begleitung, in der Verantwortung und in echter zwischenmenschlicher Zuwendung.

Eine Maschine kann Lebensmittel produzieren oder Verwaltungsabläufe beschleunigen. Sie kann jedoch nicht vollständig ersetzen, was am Bett eines kranken Menschen geschieht.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht: Wie ersetzen wir Menschen?

Sie lautet: Wo verschwenden wir heute menschliche Lebenszeit für Aufgaben, die längst von Technik übernommen werden könnten?

Ein Roboter zahlt keine Rentenbeiträge

Technologie allein löst das Finanzierungsproblem allerdings nicht.

Ein Roboter erhält kein Gehalt, von dem Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden. Eine künstliche Intelligenz zahlt keine Lohnsteuer.

Wenn immer mehr wirtschaftlicher Wert durch Technologie entsteht, während unsere sozialen Systeme hauptsächlich über menschliche Erwerbsarbeit finanziert werden, passen unsere Finanzierungsmodelle nicht mehr zur wirtschaftlichen Wirklichkeit.

Der erzeugte Wert verschwindet nicht. Er entsteht nur an einer anderen Stelle.

Deshalb müssen wir fragen:

Wem gehört der Wert, den Maschinen und künstliche Intelligenz erzeugen? Und wie kann ein angemessener Teil davon der gesamten Gesellschaft dienen?

Das kann über Unternehmensgewinne, neue Steuerformen oder Modelle geschehen, die wir heute noch nicht entwickelt haben. Eine einfache Parole wie „Robotersteuer“ reicht dafür nicht aus.

Wir müssen viel grundsätzlicher darüber nachdenken, wie Versorgung organisiert werden kann, wenn Lohnarbeit nicht mehr der einzige Weg ist, auf dem gesellschaftlicher Wert entsteht und verteilt wird.

Muss jeder Wert zuerst zu Geld werden?

Stellen wir uns ein weitgehend automatisiertes Unternehmen vor, das Lebensmittel produziert.

Heute verläuft der Weg vereinfacht so: Ein Arbeitnehmer erhält Lohn und zahlt davon Beiträge. Aus diesen und anderen Einnahmen werden gesellschaftliche Leistungen finanziert. Ein Rentner erhält Geld und kauft damit die Lebensmittel, die ein Unternehmen hergestellt hat.

Was geschieht, wenn einen großen Teil dieser Produktion Maschinen übernehmen?

Die Lebensmittel sind weiterhin vorhanden. Es wurde ein realer Wert geschaffen. Gleichzeitig gibt es weniger Löhne, von denen Beiträge abgezogen werden können.

Vielleicht müsste ein Teil dieses Wertes nicht mehr den vollständigen Umweg nehmen: vom Lohn zur Sozialabgabe, von der Sozialabgabe zum Staat, vom Staat als Leistung zum Empfänger und von dort als Kaufpreis zurück zum Unternehmen.

Ein Unternehmen könnte beispielsweise einen festgelegten Anteil seiner automatisiert erzeugten Produktion unmittelbar für die Versorgung älterer Menschen bereitstellen und dafür eine entsprechende steuerliche Anrechnung erhalten.

Ähnliche Modelle ließen sich für Energie, Mobilität, Medikamente, Wohnraum oder bestimmte Formen der Betreuung denken.

Das ist kein fertiges Konzept. Es müssten Wahlfreiheit, Qualität und die Würde des Einzelnen geschützt werden. Niemand darf ein vorgeschriebenes Versorgungspaket erhalten und gesagt bekommen: Damit musst du auskommen.

Das Beispiel zeigt jedoch, dass Geld nicht der einzige denkbare Weg ist, einen real erzeugten Wert gesellschaftlich zu verteilen.

Vielleicht liegt der Denkfehler darin, dass wir weiterhin nur Beiträge und Geldströme zählen, obwohl wir eigentlich Nahrung, Energie, Wohnraum, Pflege und gesellschaftliche Teilhabe sichern müssen.

Uran in den Zwillingen und der Sprung im Denken

Astrologisch verbinde ich diese Zeit auch mit Uran in den Zwillingen.

Uran steht für Umbruch, Befreiung, Erfindung und plötzliche Sprünge. Die Zwillinge betreffen Denken, Kommunikation, Wissen, Lernen und die Verbindung unterschiedlicher Systeme.

Für mich weist diese Konstellation nicht nur auf eine neue Zusammenarbeit zwischen Mensch und Technik hin. Sie kann einen enormen, sprunghaften technologischen Entwicklungsschub anzeigen.

Vielleicht entsteht etwas, das wir heute noch nicht benennen können und das unser gesellschaftliches Funktionieren so grundlegend verändert wie einst das Internet oder das Smartphone.

Das ist kein wirtschaftlicher Beweis. Daten bleiben Daten. Astrologie ist für mich eine Sprache, mit der ich die Qualität einer Zeit lese.

Aber diese Zeitqualität passt zu einer Epoche, in der alte Vorstellungen über Arbeit, Produktivität und menschliche Nützlichkeit schneller zerbrechen könnten, als viele es heute für möglich halten.

Eine kleinere Bevölkerung braucht ein anderes System

Eine bewusste Anpassung an eine kleinere und ältere Bevölkerung bedeutet nicht, dass die Übergangsphase leicht wird.

Sie bedeutet, dass wir aufhören, Menschen mit ihren Körpern, ihren Lebensentscheidungen und ihren ungeborenen Kindern für schlecht angepasste Systeme verantwortlich zu machen.

Natürlich soll der Staat Menschen unterstützen, die Kinder haben möchten. Er soll Hindernisse beseitigen: unbezahlbaren Wohnraum, fehlende Betreuung, instabile Arbeitsverhältnisse und eine einseitige Belastung von Frauen.

Familien zu unterstützen ist jedoch etwas völlig anderes, als von Frauen die Geburt zukünftiger Beitragszahler zu erwarten.

Ein Kind soll als Mensch gewollt sein, als Wunder der Natur.

Nicht als Arbeitnehmer.

Nicht als Steuerzahler.

Nicht als Rentenbeitrag auf zwei Beinen.

Wir dürfen den Menschen nicht erst dann aus seiner Funktion entlassen, wenn wir eine vollständig ausgearbeitete Alternative besitzen. Die Richtung muss vorher klar sein:

Die Systeme haben und müssen den Menschen dienen. Menschen sind keine Werkzeuge für diese Systeme.

Wenn ein System nur überleben kann, indem ihm fortlaufend neue Menschen zugeführt werden, darf unsere erste Frage nicht lauten: Wie bringen wir mehr Kinder zur Welt?

Wir müssen fragen:

Warum haben wir ein System gebaut, das menschliches Leben als ständig nachwachsende Ressource benötigt?

Was bedeutet das für unser eigenes Denken?

Wir können beobachten, wie schnell wir selbst Menschen nach ihrer gesellschaftlichen Nützlichkeit beurteilen.

Welchen Wert geben wir einem Menschen, der nicht erwerbstätig sein kann?

Wie sprechen wir über Frauen, die keine Kinder haben möchten?

Sehen wir Kinder als eigenständige Menschen oder rechtfertigen wir ihren Wert mit dem, was sie später leisten könnten?

Unterstützen wir Familien, weil jedes Kind gute Lebensbedingungen verdient – oder weil wir zukünftige Beitragszahler benötigen?

Und sind wir bereit, gesellschaftliche Systeme grundlegend umzubauen, wenn sie der Würde des Menschen widersprechen?

Der notwendige Bewusstseinswandel beginnt dort, wo wir aufhören, Menschen nach ihrer Brauchbarkeit zu sortieren.

Die vollständige Folge bei Maui Direkt

In der Folge „Gesundes Schrumpfen statt Geburtenzwang | Maui Direkt“ spreche ich ausführlicher über die demografische Übergangsphase, die Möglichkeiten von KI und Robotik und die Frage, wie technologisch erzeugter Wert künftig der gesamten Gesellschaft dienen könnte.

FAQ

Hat Deutschland tatsächlich zu wenige Kinder?

Deutschland hat seit Jahrzehnten eine Geburtenrate unterhalb des sogenannten Bestandserhaltungsniveaus. Dadurch verändert sich langfristig die Altersstruktur. Ob Deutschland insgesamt schrumpft, hängt jedoch auch von Lebenserwartung und Zuwanderung ab.

Warum wird die Forderung nach mehr Kindern als Missbrauch bezeichnet?

Weil Menschen dabei zu einem Mittel für einen fremden Zweck gemacht werden. Wenn Kinder hauptsächlich als zukünftige Arbeitskräfte und Beitragszahler betrachtet werden, wird ihre Würde ihrer wirtschaftlichen Nützlichkeit untergeordnet.

Ist jede staatliche Familienpolitik problematisch?

Nein. Gute Familienpolitik unterstützt Menschen, die Kinder haben möchten, und schafft bessere Lebensbedingungen für Familien. Problematisch wird sie, wenn aus Unterstützung moralischer, wirtschaftlicher oder politischer Gebärdruck entsteht.

Können künstliche Intelligenz und Robotik das Rentensystem retten?

Nicht automatisch. Technologie kann fehlende Arbeitskraft teilweise ausgleichen und notwendige Leistungen sichern. Gleichzeitig muss neu geregelt werden, wie der von Technologie erzeugte Wert finanziell erfasst, verteilt und für die gesellschaftliche Versorgung genutzt wird.

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